eine Geschichte im Internet zu erzählen

An meine Freunde, an meine Familie, an alle die ich unterwegs kennengelernt habe, und alle die es sonst noch interessieren könnte,

Jetzt habe ich schon seit einer Weile nichts mehr von mir wissen lassen. Es würde wohl schwerfallen, sich eine kohärente Geschichte über mein Leben in den letzten Jahren aus den unzusammenhängenden Beiträgen, Kommentaren, und Konzertankündigungen, die sich in einem kleinem Ausmaß auf diversen Plattformen im Internet verbreitet haben, zusammenzureimen. Um dieses konfuse Bild zusammenzufassen hatte ich auf dieser Domain die längste Zeit nur "The" auf einem weißen Hintergrund stehen.

Es war also eine bewusste Entscheidung mich einigermaßen unter dem Radar zu bewegen und eine übermäßige Nutzung von sozialen Medien zu scheuen. Diese Einstellung ist im Kontext der Realitäten unseres heutigen Internets leicht zu ergründen, und ich weiß, dass viele unter uns**wir, NutzerInnen des Internets ähnliche Einstellungen pflegen. Es täuscht zwar der Gedanke, man könne sich der allgegenwärtigen Überwachung allein dadurch entziehen, indem man keine Inhalte über sich veröffentlicht, und nichts teilt (oder gar leikt), jedoch sehe ich es als notwendig an, in Anbetracht der Unausweichlichkeit des Internets in unserer Zeit, einen Kompromiss im Umgang mit dieser merkwürdigen Maschine zu finden, und finde, dass sich hierzu ein einfaches Verstummen bislang ganz gut für mich geeignet hat*.*Sollte dieser Absatz für dich keinen Sinn ergeben: Keine Panik, reines Präambelgelaber. Ich möchte in Zukunft aber auch näher auf dieses Thema eingehen.

Allerdings hat sich meine Situation im Allgemeinen nun so geändert, dass ich es nicht mehr für sinnvoll halte nichts von mir preiszugeben. Aber bevor ich damit anfange möchte ich versuchen diese Aussage ein bisschen zu erläutern.

Ich wohne gerade auf einem Dachboden, der unter anderem mit einem Schreibtisch ausgestattet ist, in Nancy, Frankreich, und solange ich mich um die Betriebskosten kümmere kann ich auch bleiben. Inzwischen kenne ich in dieser Stadt viele Leute, und fühle mich sehr wohl hier; nach wie vor bin ich aber fremd, zumindest insofern als meine Rolle hier schleierhaft scheint. Darüber bin ich mir aber im Klaren, und ich weiß, dass dieser Zustand nicht ewig halten wird (oder sollte: Fremden sieht man das Altern schneller an). Glücklicherweise scheint mir aber alles gegeben zu sein um diese Zeit sinnvoll nützen zu können und um lange angedachten Projekten nachzugehen.

Wie z.B. eine Geschichte im Internet zu erzählen

Der Titel lautet "Irgendwann grab ich mir ein Loch". Im Grunde handelt es sich bei dieser Geschichte um eine uralte*.*Hänschen klein ging allein.. Stock und Hut, usw. Da sich die Handlung aber im heutigen Westeuropa abspielt, und sie auf wahren Gegebenheiten basiert, trägt das Ganze vielleicht doch das Potenzial in irgendeiner Weise relevant zu sein. Zuallermindest ist es halt meine Geschichte, und ich habe Lust sie loszuwerden.

Dies zu tun fällt mir allerdings nicht ganz leicht, unter anderem da mich die Tatsache verunsichert, dass dieses Medium selber viel Übermitteltes lange nicht vergessen wird, aber es überwiegen die Gründe es doch einfach zu tun. Weil ich meinen Freunden nicht fremd sein will; weil ich durch das Schreiben die Geschichte selber besser verstehen kann, und wie sie vielleicht weitergeht; weil einige meiner Erfahrungen auch manche interessieren könnten, die mich nicht kennen. Es gibt gute Gründe.

Um eines zu klären: Ja, letztes Jahr habe ich aufgehört als Programmierer zu arbeiten, habe meine Wohnung und mein Mobiltelefon aufgegeben, und bin zu Fuß von Wien nach Nancy gegangen (am Bodensee vorbei). Nein, ich bin nicht alles gegangen (um die drei Viertel der insgesamt 1,000 km). Finanziell ist sich das so ausgegangen: hatte noch ein bisschen Geld auf der Seite, habe auf der Strasse Gitarre gespielt und gesungen, und meine Familie hat mich in dieser Zeit viel unterstützt.

Zu Beginn möchte ich eine Perspektive darüber bieten, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist. Je nachdem wo mich das Schreiben hinführt, und ob dieses Projekt denn überhaupt interessiert, würde ich auch gerne auf einige Erfahrungen während meiner Reise eingehen, und weiter, wie sich das alles auf mein Leben ausgewirkt hat.

Um Beschwerdebriefen vorzubeugen

In vielerlei Hinsicht ist dies nicht die Glücklichste aller Geschichten, die man sich so erzählen könnte. Soll nicht heißen, dass ich vorhabe durchgehend einen ernsten Ton beizubehalten (was ich eh nicht hinbekommen würde, selbst wenn ich es wollte), aber es ist doch gewissermassen eine Abhandlung dessen, was es heißt den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ließe ich die Teile aus, die mich erschüttert haben, die schmerzhaft oder traurig waren, oder in denen ich Angst hatte, dann wäre es nicht meine Geschichte.

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